Klettern in der Psychotherapie

Klettern in der Therapie? Was soll mir das denn bringen?

Vielleicht waren das Ihre ersten Gedanken als Sie die Überschrift gelesen haben. Vielleicht kam aber auch gleich ein wenig Neugierde auf.

Klettern ist derzeit eine In-Sportart: 2020 wird es in Tokyo das erste Mal Teil der olympischen Spiele sein und seit Jahren sind Kletterhallen und Felsen beliebte Ziele von Freizeitsportlern. Klettern versprüht einen ganz eigenen Reiz. Als ursprünglichste Bewegungsform des Menschen ist es uns quasi in die Wiege gelegt worden zu greifen, uns hochzuziehen, zu schwingen, zu balancieren, „hoch zu kommen“.

Aber wie kann man nun das Klettern für die Psychotherapie nutzen?

In einem therapeutischen Prozess beschäftigt man sich sehr häufig auf kognitiver Ebene mit abstrakten Themen. Um aus diesem Erkenntnisgewinn jedoch auch Nutzen für unseren Alltag zu ziehen bedarf es gefühlter, ausgeübter, erlebter Erfahrungen. Durch ein therapeutisch begleitetes Klettern gelingt ein intensiver Transfer auf die Körperebene. Es wird nicht nur besprochen, analysiert und reflektiert, sondern auch erspürt, ausprobiert, erlebt, gefühlt. Es geschieht ein „Aha! So fühlt sich das an-Effekt“. Optimale Bedingungen, um auch im Alltag in die Veränderung zu kommen.

Beispiele für Themen, die ich gerne innerhalb einer Klettereinheit aufgreife:

  • Thema Grenzen: Woran erkenne ich meine Grenzen? Wie gehe ich mit ihnen um? Gehe/Steige ich über sie? Wie setze ich Grenzen? Wie kommuniziere ich sie gegenüber meiner Umwelt?
  • Thema Vertrauen: Vertrauen in mich selbst? Vertrauen in andere? Kontrolle: Wann ist Kontrolle gut? Wann darf ich aber auch mal vertrauen? Wie vertraue ich mir selbst?
  • Thema loslassen und weiterkommen: Was erlaubt mir voranzukommen? Was brauche ich um weiterzukommen? Was nicht? Was passiert, wenn ich loslasse?
  • Und natürlich das Thema Angst

In meiner Therapie setze ich therapeutisches Klettern begleitend zu einem therapeutischen Prozess ein. D.h. neben dem klassischen Setting in der Praxis gehe ich mit Ihnen in die Kletterhalle um dort in einem ganz anderen Rahmen in einem abgesicherten Modus neue Erfahrungen zu machen, die wir dann wieder aufgreifen.

Egal ob sportlich oder gemütlich, klein oder groß, mutig oder ängstlich - probieren Sie es aus! Therapeutisches Klettern ist fern ab von Leistungszwang oder - druck, sondern wird für den therapeutischen Prozess und die persönliche Entwicklung genutzt. Viele bezeichnen es danach als "genussvoll". Egal ob 2 oder 10 Meter über dem Boden, wichtig ist das Erleben und die Erfahrung, nicht das Erreichen der Hallendecke.

Sollte ich der Meinung sein, dass Ihnen therapeutisches Klettern auf Ihrem Weg helfen könnte, so spreche ich das mit Ihnen an und wir erarbeiten gemeinsam die nächsten Schritte. Sollten Sie von sich aus bereits die Idee haben, dass die Art der Therapie etwas für Sie wäre, dann zögern Sie nicht und sprechen Sie mich darauf an!